Überernährt und unterversorgt

Der Österreichische Ernährungsbericht 2017

Kürzlich erschien der neue Ernährungsbericht. Diese umfassende Analyse der Ernährungssituation in der österreichischen Bevölkerung wird seit 1998 im Auftrag des Gesundheitsministeriums im 5-Jahres-Zyklus durchgeführt. Das Ergebnis ist im Grunde ernüchternd. Fast die Hälfte der Menschen ist übergewichtig. Beinahe alle von uns konsumieren deutlich zu viel Zucker und Salz. Es kommt nur ein Drittel der empfohlenen Menge an Gemüse auf den Speiseplan, dafür essen vor allem Männer dreimal soviel Fleisch, wie sie sollten. Die Versorgung mit lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen ist nicht zufriedenstellend. Vor allem bei Vitamin D, Jod, Calcium und Folsäure gibt es deutliche Mängel.

Jeder Zweite ist zu dick

Von den Erwachsenen in Österreich sind 41 % übergewichtig bzw. adipös. Männer sind häufiger davon betroffen als Frauen. Bei den Herren über 50 ist bereits jeder zweite zu dick. Das Problem ist hausgemacht, denn 54 % der Bevölkerung überschreiten die täglich empfohlene Energiezufuhr. Wir essen einfach zu viel und vor allem die falschen Lebensmittel. 89 % der Frauen und 81 % der Männer konsumieren ein Übermaß an Zucker, 81 % der Menschen verwenden mehr Salz (Natrium) als notwendig. Beim Fleischverzehr erreichen Männer das Dreifache der Empfehlung. Auch Frauen essen zu viel Fleisch. Dafür verzehren weder Männer noch Frauen die empfohlene Menge von 2 Portionen Obst pro Tag und kommen nur auf 33 % der erforderlichen Gemüsezufuhr. Insgesamt werden von den empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag im Schnitt nur zwei erreicht. Nur 14 % der Menschen schaffen die vorgeschlagene Zufuhr von täglich 30 g Ballaststoffen.

Wir essen zu viel Fleisch

Mängel bei Vitaminen und Mineralstoffen

Obwohl jeder Zweite zu viel isst, gibt es deutliche Defizite bei der Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen. Wir verhungern praktisch an vollen Töpfen. Die Zufuhr von Vitamin D durch die Ernährung reicht nicht aus, um den Bedarf zu decken. Wer sich nicht mindestens 30 Minuten täglich bei teilweise unbedeckter Haut im Freien aufhält, ist auf die Einnahme von Supplementen angewiesen. Nur 24 % der Bevölkerung erreichen den Richtwert einer angemessenen Zufuhr von Vitamin E. Knapp die Hälfte der Menschen liegen unter dem Tagesbedarf der Vitamine C und B1 sowie Magnesium. Die Folsäure-Empfehlung wird von 73 % der Frauen und 58 % der Männer unterschritten. Bei Calcium sind es mit 75 und 58 Prozent ähnlich hohe Werte. Bedenkliche 87 % der Menschen nehmen zu wenig Jod zu sich. Auch die Kaliumzufuhr liegt im Schnitt der Gesamtbevölkerung deutlich unter dem Referenzwert. Vor allem jüngere Frauen erreichen zudem die nötige Eisenaufnahme nicht.

Gemüse kommt viel zu kurz

Die Lösung liegt so nah

Wir leben in Zeiten der Überinformation. Internet, Facebook, Fernsehen, Lifestyle-Magazine: Noch nie gab es eine solche Flut an Ernährungstipps, Diäten, Food-Blogs, Kochshows und Dokus zum Thema Ernährung. Trotzdem speist nur ein kleiner Teil der Bevölkerung wirklich gesund. Die Kosten im Gesundheitswesen explodieren. Ernährungsbedingte Krankheiten, allen voran Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, betreffen große Teile der Bevölkerung. Dabei haben wir es – abgesehen von erblichen Faktoren – selbst in der Hand. Es wäre gar nicht so schwierig: Weniger Fleisch, Zucker, Salz und billiges Fett. Dafür mehr Obst, Gemüse, gesunde Fette (z.B. Olivenöl, Leinöl) und eine ballaststoffreiche Vollwertkost würden bereits viel verändern.

Defizite sinnvoll ausgleichen

Vitamin D sollte vor allem im Winter täglich als Nahrungsergänzung eingenommen werden, um das Immunsystem fit und das Knochensystem stabil zu halten. Die Jodversorgung ist trotz Speisesalzjodierung ungenügend. Wer seine Schilddrüse gesund erhalten will, sollte auf das wichtige Spurenelement nicht vergessen. Auch bei anderen kritischen Vitalstoffen wie Calcium und Folsäure empfehle ich eine zielgruppenorientierte Supplementierung. Die Referenzwerte beziehen sich übrigens auf gesunde Erwachsene im „Normalzustand“. In vielen Ausnahmesituationen ist der Bedarf vieler Vitalstoffe erhöht. Dazu gehören: Rauchen, Stress, Schwangerschaft und Stillzeit,  (Leistungs-)Sport, Alkoholmissbrauch, Krankheit und Rekonvaleszenz. Eine bewusste Ernährung und ein gezielter Einsatz von Nahrungsergänzungen kann viel bewirken. Übernehmen Sie Verantwortung für Ihren Körper!

Möchten Sie weiterlesen? Hier geht es zu meinen 8 Tipps für eine gesunde Ernährung.

Literatur:

Div. Autoren | Universität Wien | Österreichischer Ernährungsbericht 2017 (PDF) | Online-Abruf Jänner 2018

(, zuletzt aktualisiert: )

Weitere Blogeinträge zum Thema:

Einträge nach Stichworten